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1. styrianARTtalk zum Thema „Kunst als Anlage“

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Foto: Hannes Loske

Ist bei der Kaufentscheidung der Anlageaspekt wichtiger als die Kunst selbst? Darüber diskutierte eine prominent besetzte Runde auf Einladung der styrianARTfoundation in der Lounge der HYPO Steiermark.

Text: Wolfgang Pauker

„Wenn Banker zusammentreffen, dann sprechen sie über Kunst. Wenn Künstler zusammentreffen, dann sprechen sie über Geld.“ – Dieser Oscar Wilde zugeschriebene Ausspruch diente dem Hausherrn Martin Gölles als Einleitung für den 1. styrianARTtalk in der Lounge der HYPO Steiermark, im Zuge dessen ein prominent besetztes Publikum mit Bonmots aus der Welt des boomenden Kunstmarktes begeistert wurde. Denn Kunstwerke sprechen nicht nur die Sinne ihrer Betrachter an, sondern sind längst zu einem enormen Wirtschaftsfaktor geworden. Um etwas Licht in das Geschäft mit der Kunst zu bringen, luden die styrianARTfoundation-Obfrauen Margret Roth und Prof. Edith Temmel den großen österreichischen Kunstkenner und Auktionator Otto Hans Ressler, Sammler Erich Wolf und den Leiter des Bereiches PREMIUM.PrivateBanking der HYPO Steiermark Stefan Tschikof unter der Leitung von ORF-Steiermark-Kulturchef Gernot Rath zur Diskussion. Komplettiert wurde das Podium durch die erfolgreiche steirische Malerin Laura Stadtegger, die nicht nur die Perspektive der Künstlerin eröffnete, sondern im Rahmen eines Live-Paintings auch tief in die Welt des Kunstschaffens blicken ließ.

Otto Hans Ressler: „Möglicherweise ist die Fähigkeit, Kunst zu schaffen und sich an ihr zu erfreuen, die einzige Fä-higkeit, die uns von anderen Lebewesen unterscheidet.“
Foto: Hannes Loske

Ein Markt wie jeder andere?

Wie komplex sich der Markt verhält, zeigte das von Otto Hans Ressler gebrachte Beispiel der Sammlung Leopold, deren Wert 1993 auf ca. 8 Milliarden Schilling geschätzt und für 2 ¼ Milliarden von der Republik Österreich angekauft wurde. Heute wird dieser Wert von nur einem einzigen der 5.786 Werke, nämlich Gustav Klimts Tod und Leben, um mindestens das Doppelte der damals für die gesamte Sammlung bezahlten Summe übertroffen. Doch wie lassen sich solche Wertsteigerungen erzielen? Der Tenor des Podiums war einhellig: Talente früh erkennen! Auch gegen den Trend, „denn als Leopold begann, seine Sammlung zusammenzustellen, wurde er für die Ankäufe von Egon Schiele ausgelacht“, so Ressler. Doch woran erkennt man Qualität?

v.l.: Gernot Rath, Laura Stadtegger und styrianARTfoundation-Obfrau Margret Roth.
Foto: Hannes Loske

„Man kann heute nicht einmal mehr klar sagen, was Kunst ist und was nicht. Deshalb kann man auch über die Qualität keine klare Aussage treffen. Schon in der Renaissance hat man sich entschlossen, gar nicht die Kunstwerke, sondern die Künstler zu beurteilen. Ihr Ruhm ist der entscheidende Faktor für den Preis“, so Ressler weiter. Wer also ein gutes Investment tätigen will, kauft entweder Werke schon berühmter Künstler und hofft auf Wertsteigerung oder Arbeiten von Kunstschaffenden, von denen man selbst überzeugt ist. Dann heißt es abwarten, was passiert, und so wie Rudolf ­Leopold bei jeder Gelegenheit von „seinen“ Künstlern schwärmen. Denn: „Die größten Experten haben nicht mehr Ahnung als wir Kunstinteressierten. Sie wissen vielleicht mehr über die Kunstgeschichte, aber Begeisterung ist etwas ganz anderes, und deshalb sollte man immer das kaufen, was einem gefällt. Denn Kunst sollte vielmehr Passion oder sogar Obsession sein als pure Spekulation“, so Ressler.

Hausherr Martin Gölles, Generaldirektor der HYPO Steiermark.
Foto: Hannes Loske

styrianARTtalk: Fortsetzung folgt

Spannende Einblicke in die Welt der Kunst folgen bereits am 22. Oktober im Rahmen des 2. styrianARTtalk beim Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte, wo man unter dem Motto „Kunst zum Mieten“ mit Experten der Frage nachgeht, ob man Kunst überhaupt besitzen muss oder ob ihr Zweck nicht anderswo zu finden ist. Der Veranstalter, die styrianARTfoundation, stellt eine wertvolle Vertiefung der steirischen Kunstlandschaft dar und veranstaltete über 10 Jahre hindurch KünstlerInnen-Klausuren im Stift Rein. Sie vereint maßgebliche heimische Unternehmen und fördert über Ausstellungen, Publikationen und Veranstaltungen junge steirische Künstler. Den Kunstschaffenden von morgen wird durch die Aktivitäten schon heute Stimme und Ausdruck verliehen und ihre Werke werden einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Überdies werden im „Showroom“, dem 1. Steirischen Kunst-Atlas, online alle 102 steirischen KünstlerInnen, die an den Klausuren teilgenommen haben, vorgestellt.

Kulturstadtrat Günter Riegler, Prof. Edith Temmel, Erich Wolf, Margret Roth, Otto Hans Ressler, Laura Stadtegger, Martin Gölles, Stefan Tschikof, Gernot Rath (v. l.)
Foto: Hannes Loske