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Die Grazer Murinsel lockt mit Open-Air Sommerkino

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Foto: Harry Schiffer

Die Grazer Murinsel, Touristenmagnet und beliebtes Fotomotiv, hat sich seit dem Umbau und der Neukonzeptionierung erfolgreich als kultureller Hotspot etabliert. Ein Gespräch mit Murinsel-Geschäftsführer Wolfgang Skerget über kulturelle Anziehungskraft.

Text: Wolfgang Pauker

Der Murinsel ist es in den letzten eineinhalb Jahren mit einem eigenständigen Kulturprogramm gelungen, vor allem für die Grazerinnen und Grazer an Attraktivität zu gewinnen. Warum wurde gerade die Kultur gewählt, um einen neuen Anker im Bewusstsein der Einheimischen zu legen?

Erstens einmal freut mich dieses Urteil, denn ich denke, es ist uns wirklich gelungen, die Murinsel neu zu etablieren. Warum Kultur? Weil es einfach naheliegend ist. Von allen Bauten, die im Vorfeld des Kulturhauptstadtjahres 2003 errichtet wur­den, ist die Murinsel das einzige Bauwerk, das aus dem Programmbudget errichtet wurde. Sie ist also gebautes Design­programm, wenn man so will – und womit sollte man sie also besser bespielen als mit kulturellen Inhalten?

Neu ist auch die Führung. Gastronomie, Programmgestaltung und Shop liegen in einer Hand. Geht das Konzept auf?

Die Idee war und ist, den Gesamtauftritt der Insel noch stimmiger zu machen. Die ersten Monate bestärken uns auch ganz klar in dieser Zielsetzung. Wir haben mit dem Designshop auf der zweiten Ebene, mit dem Café im Inneren und der kulturellen Bespielung aus einer Hand ganz neue Möglichkeiten. Und auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen dieses Gefühl nun umso stärker mit und setzen das ganzheitliche Konzept optimal um. Dieser professionellere Auftritt ist, denke ich, bereits spürbar.

Foto: Harry Schiffer

Für viele Menschen ist eine Insel das Symbol für die Sehnsucht nach Freiheit, nach Entspannung. Die Grazer verfügen über eine eigene Insel inmitten der Stadt. Wie lässt sich das Lebensgefühl auf diesem Eiland beschreiben?

Die vom US-Stararchitekten Vito Acconci entworfene Insel als schwimmendes, künstliches Eiland aus Stahl und Glas ist deutlich mehr als eine Brücke über die Mur und gerade auch das Amphitheater und das Innere der Insel laden zum gemütlichen Verweilen ein. Um diese Nutzung zu forcieren, haben wir auch Begrünungsmaßnahmen und Veränderungen in der Einrichtung vorgenommen und versucht, sie noch gemütlicher zu gestalten. Sie lädt jetzt einfach klassisch zum Chillen ein und ist ein hervorragender Ort für alles, was mit innerstädtischem, entspanntem Lebensgefühl zu tun hat. Unsere Aufgabe ist es, diesen Nutzen zu verstärken und dieses Lebensgefühl zu transportieren. Und das gelingt sehr gut und ich kann nur jede Grazerin und jeden Grazer dazu einladen, die Murinsel zu besuchen und sich von ihrem Charme anstecken zu lassen.

Die Murinsel ist als Bildmotiv weltberühmt und gehört für Touristen zu den Pflichtattraktionen dieser Stadt. Warum will man eigentlich noch mehr?

Wir freuen uns natürlich sehr über dieses touristische Echo und wir tun alles dazu, dass es so bleibt. Nachdem die Insel aber als Bild ein Icon ist, das um die Welt geht, glaube ich, dass es im Umkehrschluss ebenso wichtig ist, dass die Grazerinnen und Grazer dieses Gebilde, das auch als Synonym für diese Stadt international bekannt ist, selbst noch mehr, noch intensiver in Beschlag nehmen, als es bis jetzt der Fall war. Hierfür haben wir eine Leseecke in Kooperation mit den städtischen Büchereien eingerichtet, das Kaffeehaus mit internationalen Zeitungen bestückt und bieten im Sommer und Herbst ein reichhaltiges Kulturprogramm mit Open-Air-Sommerkino und Konzerten an.

Foto: Harry Schiffer

Die Murinsel ist täglich und von der Witterung unabhängig geöffnet. Wie sieht es mit der Wetterunabhängigkeit beim angesprochenen Outdoorkino aus?

Hier ist es bei Regen natürlich problematisch und die Vorstellungen im Freien sind wetterabhängig, aber die Filme werden auf jeden Fall zum angegebenen Termin gezeigt. Wir haben im Zuge des Umbaus den Vorbereich des Eingangs durch einen neuen Zwischenboden erstens vergrößert und zweitens durch eine Innenverglasung auch wetterfest gemacht. Die zwei Monitore, die tagsüber für die touristische Info benutzt werden, stehen also wetterfest im Trockenen, und sollte es regnen, werden die Filme zu den vorgesehenen Zeiten im Inneren auf zwei großen Monitoren und unter dem Vordach auf den Info-Monitoren abgespielt. So haben auch bei Schlechtwetter gut 150 Leute Platz und können sich das Programm wetterunabhängig ansehen.

Es wird zwei Schienen geben mit Filmen am Dienstag und am Mittwoch. Wo liegt der Unterschied?

Dienstags zeigen wir, programmiert vom Grazer Visual-Arts-Kollektiv OchoReSotto, eine experimentelle, jüngere Schiene, die auch in Richtung Visuals gehen wird. Am zweiten Dienstag zeigen wir hier etwa gleich ein Highlight mit einer Arbeit der School of Visual Arts in New York. Mittwochs zeigen wir klassisch programmiertes Sommerkino für Cineasten. Hierfür konnten wir mit Beate Bachträgl eine Vertreterin des Grazer Arthouse-Kinos Filmzentrum im Rechbauer gewinnen, die für die Filmauswahl verantwortlich zeichnet und die auch heuer wieder ein sehr ambitioniertes Programm zusammengestellt hat.

Open-Air-Kino auf der Murinsel.
Foto: Harry Schiffer

Die Murinsel steht für eine niederschwellige und entspannende Form der Kultur­unterhaltung. Starten auch die Konzerte im Rahmen der „Monday Nights“ wieder im Herbst?

Definitiv. Die Monday Nights sind unser Einstieg in die musikalische Schiene. Die Programmatik gestaltet mit Gerhard Kosel von gamsbART Jazz wieder ein absoluter Kenner der Szene. Mit ihm gemeinsam haben wir diese Schiene entwickelt und werden sie auch weiter ausbauen.

Wolfgang Skerget (Mitte) mit dem Team der Grazer Murinsel.
Foto: Harry Schiffer

 

 

Sommerkino-Programm

Di, 17.7., 21 Uhr: Rockers

Ein jamaikanischer Musiker wehrt sich gegen eine kriminelle Organisation, indem er ­wiederum die Diebe bestiehlt und die Beute an die Armen der Slums verteilt. (englisch)

Mi, 18.7., 21 Uhr: Ein Fisch namens Wanda (A Fish Called Wanda)

Nach einem Juwelendiebstahl durchleben die vier Protagonisten haarsträubende Verwicklungen. Urkomisch, zeitlos und rasant … (OmU)

Di, 24.7., 21 Uhr: Visuals – School of Visual Arts in New York City

Kurzfilme von AbsolventInnen der Abschlussklasse 2018 der renommierten School of ­Visual Arts in New York. Der Großteil der Filme stammt von Studierenden, die mittlerweile ­bei Big Playern wie Dreamworks, Pixar oder Lucas Film engagiert sind.

Mi, 25.7., 21 Uhr: Starship Troopers

Zum 20. Geburtstag von Uncut präsentieren die Betreiber der Grazer Kinowebsite die zynische Kriegssatire über eine Zukunft, in der die Menschheit von Killer-Insekten bedroht wird. (OmU)

Di, 31.7., 21 Uhr: We Out Here

Die Musikdokumentation über die junge Londoner Jazzszene präsentiert einige der heißesten neuen Acts aus der britischen Musikmetropole. (englisch)

Mi, 1.8., 20 Uhr: Frühling für Hitler (The Producers)

Um ein Theater in den Ruin zu treiben, will ein Theatermanager das schlechteste Musical inszenieren. Allerdings wird das Stück über Hitler zum Riesenerfolg … (OmU)

Di, 7.8., 20 Uhr: Diagonale presents – Late Blossom Blues

Preisgekrönter Dokumentarfilm über den Blues- und Gospelsängers Leo „Bud“ Welch aus Mississippi/USA, der erst mit 82 Jahren sein Debütalbum veröffentlichte.

Mi, 8.8., 20 Uhr: Leoparden küsst man nicht (Bringing Up Baby)

Screwball-Comedy Klassiker über einen weltfremden Paläontologen, der sich bemüht, von einer verwitweten Millionärin eine Spende für sein Museum zu bekommen. (OmU)

Di, 14.8., 20 Uhr: Beyond – An African Surf Documentary

Dokumentarfilm über die Geschichten und Lebenswelten der afrikanischen Bewohner sowie der europäischen Reisenden, die den westafrikanischen Küstenabschnitt für sich entdecken.

Mi, 15.8., 20 Uhr: Die Reifeprüfung (The Graduate)

Temporeiche Gesellschaftssatire, die die verkalkte Moral des amerikanischen Establishments und die Weltfremdheit der jungen Generation aufs Korn nimmt und sich auf die Seite der unangepassten Söhne und Töchter schlägt. (OmU)

Di, 21.8., 20 Uhr: Trieste Science+Fiction Festival presents – The Man with the Magic Box

Faszinierender Science-Fiction-Thriller mit einem originellen Plot und einer wunderbar ­romantischen Liebesgeschichte.

Mi, 22.8., 20 Uhr: Die große Schönheit (La Grande Bellezza)

Ein älterer Autor erinnert sich an seine leidenschaftliche Jugendzeit in Rom. Eine Liebeserklärung an die ewige Stadt, eingefangen in grandiosen Bildern und ausgezeichnet mit einem Oscar. (deutsch)

Di, 28.8., 20 Uhr: Enrique Estrella from Ubiquity presents – Let It Soul

Soulige Musikdokumentation über die Produktion eines Hits, der in Zeiten von Abschottung mittels der Musik Grenzen durchbricht.

Mi, 29.8., 20 Uhr: Publikumswahl

Die Filme „Grease“, „Highlander“ und „The Ladykillers“ stehen ab Anfang August über ­Facebook @grazermurinsel zur Abstimmung. (OmU)

Di, 4.9., 20 Uhr: Æon Flux

Das Jahr 2415: Der Großteil der Menschheit wurde von einer Seuche getötet, die fünf Millionen Überlebenden verbringen ihr Leben in der letzten verbliebenen, von einer Mauer umgebenen Stadt, die von einem Rat von Wissenschaftlern kontrolliert und regiert wird.

Mi, 5.9., 20 Uhr: Brust oder Keule (L’aile ou la cuisse)

Der Komödienklassiker hat nicht nur Klamauk zu bieten, sondern auch „Bissiges“ über die Esskultur: Louis de Funès glänzt als cholerischer Gourmet und Restaurantkritiker. (deutsch)

www.murinselgraz.at