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Istrien: Magische Momente rund um Motovun

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Motovun Foto: Blaha

Istrien, die größte Halbinsel an der nördlichen Adria, ist nicht nur an den Küsten sehenswert. Wieso das Hinterland geradezu magisch ist? Das liegt wohl an den Energiemeridianen, die sich hier besonders glücklich überschneiden sollen. Ein Streifzug durch das Land hinter der Küste.

Text: Wolfgang Pauker

Als Ausgangspunkt für sowohl kulturelle wie auch kulinarische Entdeckungsreisen bietet sich nichts besser an als das wahrlich mystische Städtchen Motovun im Herzen Istriens. Gelegen auf einem steilen, isolierten Hügel, spaziert man hier durch die kleinen Steingassen, als wäre die Zeit im Mittelalter stehen geblieben. Doch das ist sie keineswegs, wie man auch anhand des innovativen Filmfestivals sieht, das heuer wieder von 24. bis 28. Juli hier stattfindet und unzählige, vor allem junge Besucher in die Freiluftkinos lockt und sich kleinen und unabhängigen Filmproduktionen verschrieben hat.

Eingeschlossen von schier unendlichen Weiten: Das pittoreske Motovun.
Foto: Blaha

Motovun selbst wirkt wie eine Kulisse aus Der Herr der Ringe und hat ihr heutiges architektonisches Gesicht der venezianischen Herrschaft zu verdanken, welche die Stadt zu einem bedeutenden kultur- und architekturgeschichtlichen ­Ensemble machte. Von der zur Gänze von einem Mauerring mit Wehrtürmen und Stadttoren umgebenen Kleinstadt heißt es, sie habe ihre Position dem Kreuzpunkt der Energiemeridiane der Erde zu verdanken und hier entstehe eine starke Quelle der positiven Energie, gewissermaßen eine „Atemöffnung“ des Planeten. Kanalisiert wird diese Energie scheinbar auch in einem imposanten Renaissance-Bauwerk: dem direkt am Gipfel gebauten Polesini-Palast aus dem 17. Jahrhundert, der heute als familiengeführtes Boutiquehotel Kaštel dient. Neben ausgezeichneter Küche sowie Indoor-Pool und Spa überzeugt das Haus mit zeitgemäßem Komfort im mittelalterlichen Ambiente und einem traumhaften 360-Grad- Blick über die kleinen Gässchen der Stadt, die schier unendliche Landschaft Zentral­istriens und die Weingärten der Region.

Hotel Kaštel

Grožnjan, die Stadt der Künstler

Für Kulturafficionados befindet sich etwa 20 Minuten entfernt die pittoreske Stadt Grožnjan, deren ursprüngliche Schönheit in den alten Mauern, Festungen, Kirchen und Denkmälern erhalten ist und die als Stadt der Künstler gilt. Diese haben leerstehende Häuser bezogen und beleben den Ort mit ihren Performances und Galerien. Im Sommer werden die mittelalterlichen Gassen zum Treffpunkt für Musiker aus aller Welt, klassische Konzerte finden hier ebenso statt wie in der zweiten Julihälfte das Jazzfestival „Jazz is Back!“. Auf die bildende Kunst ausgerichtet ist das Ende September stattfindende Künstlertreffen „Ex Tempore“.

Groznjan
Foto: Frank Heuer

Ein kulinarisches Paradies

Auch kulinarisch befindet man sich abseits der Küsten im Paradies auf Erden. Allen voran ist es die omnipräsente Trüffel, mit der die Region gesegnet ist. Ganzjährig und im Mai mit der größten Geschmacks­intensität zu finden, ist die schwarze Trüffel. In den Monaten September bis Dezember graben die Spürnasen der Hunde hier sogar die weiße Trüffel aus den Böden rund um Motovun und machen Istrien damit zu einem Ziel für Gourmets aus aller Welt.

Goldbrassenfilet mit schwarzen Trüffeln.
Foto: Blaha

Aber nicht nur in, sondern auch auf den Böden mit der charakteristischen roten Erde wächst Besonderes. Etwa die Trauben für den Weißwein Malvasia oder die Rotweine Teran und Refosco. Autoch­thone Sorten, die hier in absoluter Meisterschaft kultiviert und gekeltert werden. Einer der besten Produzenten des Landes ist die Familie Degrassi. Ihre vielfach preisgekrönten Tropfen werden seit Jahrzehnten aus alten Reben gewonnen und auch für Experimente ist der istrische Weinpionier Moreno Degrassi seit einigen Jahren offen. So baut er etwa den südafrikanischen Shiraz hier aus und mischt damit das eigene Wissen mit neuer Traubenvielfalt. Die natürlichen und ausdrucksstarken Weine mit dem unverwechselbaren Charakter können gemeinsam mit deftiger ur-istrischer Küche – alles in Handarbeit zubereitet – in der eigenen Enoteca in Savudrija verkostet werden.

Moreno Degrassi
Foto: Blaha

Das beste Olivenöl der Welt

Nach 2016 wurde die Region auch 2017 wieder von der „Olivenöl-Bibel“ Flos Olei – dem international bedeutendsten Olivenölführer – zur weltbesten Olivenöl­region gekürt. Die kostbaren Öle werden hier ausschließlich kalt gepresst ­(extra vergine) und begeistern Genießer wie Spitzenköche gleichermaßen. Das besondere neben Boden und Klima sind die autochthonen Olivensorten, mit denen hier gearbeitet wird und welche die typischen Charaktermerkmale besitzen, die das Öl hier so besonders machen. Die Bjelica Olive etwa birgt alles, wofür istrisches Olivenöl steht, und das daraus gewonnene Öl passt mit seinen grasartigen Aromen und seiner leichten Bitternote hervorragend zu Salat- und Fischgerichten. Eines der besten Olivenöle kommt aus der Produktion der Familie Ipša, in deren Hängen Patron Klaudio die alten Baumbestände seiner Familie rekultivierte, Terrassen erneuerte und den Olivenhain sensibel um neue Sorten erweiterte. Heute bilden 3.500 Olivenbäume die Basis für die Öle aus zertifiziert biologischem Anbau, immer extra vergine, reinsortig oder als Blend. Sein Öl der Sorte Frantoio wurde 2017 mit 97 von 100 möglichen Punkten bei Flos Olei ausgezeichnet und rangiert damit unter den Top 20 der Welt.

Gilt als eines der besten Olivenöle der Welt: Ipsa
Foto: Blaha

 

 

Tipps für Lunch & Dinner

 

Konoba Bušcina – Die erste Genussadresse

Im Dorf Bušcina, ganz in der Nähe von Umag, wird in der gleichnamigen Konoba in familiärem Ambiente das Beste der Region auf Basis frischer, saisonaler Produkte vom Holzkohlegrill oder aus der Peka – einer Tonglocke unter Asche – zubereitet. Das traditionelle Angebot rund um Lamm und Rind ist hier erweitert um fabelhafte Kreationen aus rohen Meeresfrüchten und Fisch. Als „Vero Tartufo“-Betrieb wird ausschließlich mit frischen Trüffeln gearbeitet und die Gerichte werden mit Spitzenweinen und erlesenen Olivenölen verfeinert. Perfekt für einen kulinarischen Streifzug von der Küste bis ins Hinterland.

Buscina
Foto: Blaha

 

Konoba Stari Podrum – Phänomenal rustikal

Die traditionelle Konoba im rustikalen Stein­­haus, in der auf offenem Feuer gegrillt wird, wurde vor zwei Jahren um einen gläsernen Wintergarten erweitert. So modern der Zubau, so klassisch die Gerichte, die hier von Mutter und Töchtern zubereitet werden. Ob handgemachte Teigwaren mit stets frischen Trüffeln, kalte wie warme istrische Spezialitäten oder fabelhafte Varianten des heimischen Boskarin-Rinds: So muss es in einer traditionellen Konoba schmecken! Je nach Saison ein Gedicht: Steinpilze oder Spargel. Neben lokalen Spitzenweinen serviert man auch Malvasia aus eigenem Anbau.

Stari Podrum
Foto: Wolfgang Neuhuber

 

Konoba Cok – So schmeckt die Adria

2017 hat sich der Guide Michelin erstmals Istrien gewidmet und die familiengeführte Konoba Cok – der Sohn kocht, die Eltern servieren – mit einer Empfehlung bedacht. Hier, am Hafen des wunderschönen Novigrad, werden in ungezwungener Atmosphäre erstklassige frische Fischgerichte und Meeresfrüchte aus lokalem Fang angeboten, deren natürlicher Geschmack durch die einfache Zubereitung hervorragend zur Geltung kommt. Ein Traum sind der Adria-­Hummer und die fangfrischen Scampi. Am besten man öffnet gar nicht die Speisekarte, sondern orientiert sich an den Empfehlungen des Tages.

Konoba Cok
Foto: Blaha