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Von fetten Häusern und überdimensionalen Zäunen

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Mit dem Fat House von Erwin Wurm präsentiert der Österreichische Skulpturenpark einen prominenten Neuzugang. Foto: UMJ/Bauernfeind

Erwin Wurms „Fat House“, das Artist-in-Residence-Programm mit Studierenden von Brigitte Kowanz und ein Kunstprojekt der Schüler von ­Markus Wilfling im Österreichischen Skulpturenpark.

Text: Wolfgang Pauker

Mit Erwin Wurms Fat House präsentiert der Österreichische Skulpturenpark zum Start in die aktuelle Saison einen prominenten Neuzugang des international gefeierten Künstlers, der seit den 1980er Jahren die Welt in Offenlegung paradoxer Wirklichkeiten künstlerisch auslotet. „In seinem Interesse an der Absurdität des Lebens beobachtet er die gegenseitige Bedingtheit des Menschen und der von ihm geschaffenen Gegenständlichkeit und hebt sie real als erlebbare Kunst in unser Bewusstsein“, so Dr. Elisabeth Fiedler, Leiterin des Österreichischen Skulpturenparks, die das spektakuläre Kunstwerk als Dauerleihgabe der Österreichischen Galerie Belvedere (Wien) mit Unterstützung der WEGRAZ in die Steiermark holen konnte. Das 9 × 7 × 7 Meter große, veränderliche, schwabbelige und gleichzeitig monströs wirkende Fat House, das in ausgestopfter Fettleibigkeit dem Fat Car – welches ebenfalls im Österreichischen Skulpturenpark zu bewundern ist – folgt, erscheint als aufquellend weiches Zustandsbild des häuslichen Rückzugsraums. Betritt man dieses aus den Fugen geratene Heim, hört und sieht man es in einem auf die Innenwand projizierten Video als lebendes Wesen, das in menschlicher Mimik spricht und sich selbst erläutert. „Veränderlichkeit, neue Sichtweisen, Infragestellung scheinbarer Gesetzmäßigkeiten werden in dieser begehbaren Skulptur ebenso thematisiert wie gesellschaftliche Konzepte hinterfragt“, so Fiedler.

Foto: UMJ/Bauernfeind

Artist in Residence 2018

Spannende neue Positionen eröffnet auch das Artist-in-Residence-Programm 2018 mit Arbeiten von vier Studierenden von Brigitte Kowanz für Transmediale Kunst an der Universität für angewandte Kunst Wien. Ziel ist es, den Diskurs rund um den Skulpturenbegriff im Dialog mit der Natur zu nähren, zu erweitern und zu hinterfragen. Hierfür setzt etwa Samuel Ekeh mit der Arbeit Weeping Tears eine blockartige, geometrische Skulptur in die Landschaft des Parks, die sowohl architektonische als auch figurative Elemente in sich vereint.

Samule Ekeh, „Weeping Tears“ Foto: Suchart Wannaset

Felix Helmut Wagner nimmt in seiner Skulptur direkt Bezug auf Heimo Zobernigs Skulptur o. T. aus dem Jahr 2003 und visualisiert die Funktionsweise einer komplexen Apparatur mittels einer zeichnerischen Darstellung, die auf einer Bautafel zu sehen ist. Marit Wolters wiederum verwendet organische und synthetische Werkstoffe, um hybride Skulpturen zu entwickeln, und untersucht dabei Vorstellungen von „Natürlichkeit “ und „Künstlichkeit“. Und Suchart Wannaset installiert einen überdimensionalen Gartenzaun, der die Umgebung außerhalb des Skulpturenparks miteinbezieht und die Frage nach der Bedeutung von Gemeinschaft und Inklusion in Zeiten, in denen das politisch propagierte Sicherheitsbedürfnis im Gegenzug Isolation und Ausgrenzung forciert, aufwirft.

Suchart Wannaset, „Unser Gartenzaun“, 2018
Foto: Wannaset

Das akustische Haus

Eine weitere Neuheit bildet ein Kunstprojekt der Schüler von Markus Wilfling an der HTBLVA Graz-Ortweinschule. Ausgehend vom Bedürfnis nach einer Wohnmöglichkeit schufen 2014 Studierende der Klasse Tobias Rehberger als Artists in Residence mit der Arbeit In Then Out ein Objekt, das zwischen Skulptur und Architektur angesiedelt ist. Die rechtwinkelige und bis zu 5 Meter hohe Rahmenstruktur dient seither immer wieder anderen Künstlerinnen und Künstlern als Grundstruktur, um diese neu zu adaptieren. „Heuer provozieren Laura Walch, Anna Sudy, ­Gloria Schweighofer, Nicola Strobl und ­Maximilian Murg vielschichtige Fragen, die an unsere Erinnerung, unser Vorstellungsvermögen und unsere Assoziationsfähigkeit appellieren und deren Realität in unseren Köpfen sichtbar wird“, so Elisabeth Fiedler.

Schüler von Markus Wilfling provozieren vielschichtige Fragen, die an unsere Erin-nerung, unser Vorstellungsvermögen und unsere Assoziationsfähigkeit appellieren.
Foto: UMJ/Bauernfeind

Österreichischer Skulpturenpark

Der sieben Kilometer südlich von Graz gelegene Österreichische Skulpturenpark hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2003 als Zentrum für zeitgenössische Skulptur etabliert. Die faszinierende Parkanlage des Landschaftsarchitekten Dieter Kienast erstreckt sich über ein Areal von rund sieben Hektar und ist Entfaltungsraum für mehr als 70 Skulpturen. Werke renommierter Künstlerinnen und Künstler aus Österreich – von Fritz Wotruba über Franz West bis Heimo Zobernig und Michael Kienzer – kommunizieren hier mit Beispielen internationaler Bildhauerei, zum Beispiel von Jeppe Hein, Nancy Rubins, Tobias Rehberger oder Susana Solano.

Österreichischer Skulpturenpark / Thalerhofstraße 85, 8141 Premstätten

Bis 31. Oktober täglich bei freiem Eintritt geöffnet

www.skulpturenpark.at