Start Featureshome Sommerliche Kulturhighlights in Slowenien

Sommerliche Kulturhighlights in Slowenien

68
0
Freiluftkonzert in Piran beim Tartini-Festival

Festivals und Kunst beim Nachbarn: Ein gelungenes Potpourri aus Alter Musik, Ballett, Lyrik, aber auch Rocklegenden, zeitgenössischer Kunst und erstklassigem Wein veredelt Urlaubsabende im Süden oder reizt zum Spontanabstecher in nachbarliche Gefilde.

Text: Lydia Bißmann

Wer seinen Sommerurlaub mit Kultur und Kunstgenuss verbinden möchte, ist in Slowenien genau richtig. In der Hauptstadt lockt das Ljubljana Festival wie gewohnt mit einem hochkarätigen Konzert-, Thea­ter-, Opern- und Ballettprogramm. Aber auch an kleineren Orten wie Ptuj, Piran oder auf der Burg Brežice kann man sich in malerischer Umgebung hochwertigem und charmantem Kulturgenuss hingeben und regionalen Wein und andere Köstlichkeiten genießen. Nur ganz wenige Autostunden von Graz entfernt, eignet sich das facettenreiche Musik- und Kulturangebot perfekt für ein verlängertes Wochenende oder als abendliches Highlight im Badeurlaub.

Foto: Alan Kosmac

Avantgardistische Rock-Rebellen, Ballett und Schnurrbärte

Zum 66. Mal wird das Ljubljana Festival am 28. Juni eröffnet. Zentrum des traditionsreichen Festivals ist das Sommertheater Križanke. Das Renaissance-Theater im Herzen der Stadt wurde in den 50er-Jahren vom Architekten und Otto-Wagner-­Schüler Jože Plecˇnik behutsam umgestaltet. Eng mit der jüngeren slowenischen Geschichte ist auch das Künstlerkollektiv der Rockformation Laibach verbunden. Die retroavandgardistische Band beeinflusste Rammstein und Kraftwerk. Die Gruppe schockierte und faszinierte mit Fascho-­Schick und begeisterte ihre Fans mit Aussagen wie: „Wir sind so sehr Faschisten, wie Hitler ein Maler war.“ Teilweise wurden sie im sozialistischen Jugoslawien mit Aufführungsverbot belegt, obwohl sie sich selbst nie als Dissidenten bezeichneten. Am 7. September bietet die Formation gemeinsam mit dem Lemberger Philharmonie-Orchester unter dem flämischen Dirigenten Filip Rathe eine Interpretation ihrer letzten Produktion Also sprach Zarathustra und der Symphonia Sacra des polnischen Komponisten Andrzej Panufnik. Wie gewohnt wird die Aufführung von spektakulären Visuals und einer aufwendigen Bühnenshow begleitet. Sie ist Teil der Abschlussgestaltung des Festivals.

Laibach
Foto: Miro Majcen

Die ­Ästhetik des Betonbaus aus den 80ern bietet das Kongresszentrum Cankarjev Dom. Das Gebäude im nüchternen, aber funktionalen Stil des Brutalismus von Sloweniens berühmtesten Architekten Edvard Ravnikar ist schon für sich einen Ausflug wert. Am 21. und 22. August ist es Aufführungsort der Ballettproduktion Tchaikovsky. PRO et CONTRA des Boris Eifman Ballet St. ­Petersburg im Rahmen des Ljubljana Festivals. Die Performance ist das Ergebnis der langjährigen Reflexion des Choreografen auf das persönliche und schöpferische Werk des russischen Komponisten.

Auf den Spuren der Schnauzbärte

Eine sehr ungewöhnliche, dafür umso originellere Art, das schöne ­Ljubljana von einer anderen Perspektive aus zu entdecken, ist die Moustache-Tour, die noch bis 31. Oktober jeden Freitag zu erleben ist. Die Tour der Schnauzbärte widmet sich dem Leben und Werk einflussreicher slowenischer Künstler und Schnurrbartträger. Jože Plecˇnik (1872–1957) prägte mit seinen Bauten das Stadtbild Ljubljanas wie kein anderer. Der Namensgeber des Kongresszentrums Ivan Cankar ging als erster slowenischer Berufsautor in die Geschichte ein und der Maler Rihard Jakopicˇ gilt als Wegbereiter der slowenischen Moderne. Die Moustache-Tour begibt sich auf eine Spurensuche nach dem Leben der drei wichtigen Persönlichkeiten mit der prägnanten Gesichtsbehaarung. Ein Retro-Friseursalon wird dabei ebenso angesteuert wie das ehemalige Wohnhaus von Plecˇnik, das Domizil Cankars in Rožnik und die slowenische Nationalgalerie, in der die Werke von Jakopicˇ zu finden sind. Die slowenische Nationalgalerie feiert übrigens ihr 100-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass zeigt sie eine Personale zu Ivana Koblica (1861–1926), die zu den berühmtesten bildenden Künstlerinnen des Landes zählt. Die Schau ist noch bis 10. Februar 2019 zu sehen und umfasst rund 130 Arbeiten aus verschiedensten Schaffensperioden der Künstlerin. Darunter findet sich auch ihr bekanntestes Bild: Die Kaffeetrinkerin. Nicht auslassen sollte man bei einem Besuch des Nationalmuseums das berühmte Museums-Café.

Moustache-Tour in Ljubljana
Foto: Aljosa Rebolj

Barockmusik in Renaissancemauern

Das Festival Brežice ist eines der bedeutendsten Festivals für Alte Musik in Europa. Nur noch wenige Spezialisten beherrschen die originalen Instrumente wie Cembalo, Spinett, Vibrandoneon und ­Theorbe. Das Besondere an diesem Musik­event, das seine Zuhörer in die Welt des Mittelalters, der Renaissance und des Barock eintauchen lässt, ist die erstklassige musikalische Qualität der Aufführungen und die atemberaubende historische Kulisse der Aufführungsorte. Das Orchestra San Marco di Pordenone gibt am 15. August Werke von Vivaldi auf der Renaissanceburg Brežice zum Besten. Auch der sagenumwobene Teufelsturm in Dolenjske Toplice, in der Gartenanlage des Renaissanceschlosses, ist am 1. August Konzertbühne. Das Ensemble rosarum flores aus Innsbruck verzaubert sein Publikum mit Instrumentalmusik aus der elisabethanischen Epoche des 16. Jahrhunderts.

Foto: Andrej Tarfila

Kammermusik an der Küste

Freunde der Kammermusik kommen beim Tartini-Festival auf ihre Kosten. In der romantischen Kulisse der Küstenstädte Piran und Koper wird jedes Jahr im August dem Geigen-Virtuosen und Komponisten Tartini (1692–1770) Respekt gezollt. Da die Konzerte jeden Abend an einem anderen Ort stattfinden, kann man hier die beiden Orte entspannt mit musikalischer Begleitung entdecken. Konzertiert wird unter anderem in Tartinis ehemaligem Wohnhaus, im Franziskanerkloster, in der Kirche zum Heiligen Georg, in der Musikschule von Koper und natürlich am Tartini-Platz im Zentrum von Piran. Die 300 Jahre alte Geige des Meisters kommt dabei wie jedes Jahr zum Einsatz.

Tchaikovsky. PRO et CONTRA, Ljubljana Festival
Foto: Evgenij Matvejev

Poetisches Ptuj

Ein bezaubernder Anlass für einen Ausflug in die kleine Stadt Ptuj ist das ­Poesie- und Wein-Festival im Osten Sloweniens. Seit 2011 veranstaltet Ptuj jedes Jahr im August ein Fest des edlen Rebensaftes und der Dichtung. Auch wer nicht Slowenisch kann, ist hier willkommen. Die geladenen Autorinnen und Autoren kommen aus ganz Europa und werden vor Ort simultan in Slowenisch und Englisch übersetzt. Bei freiem Eintritt lesen zwanzig Dichter aus fünfzehn verschiedenen Ländern aus ihren Werken in der Altstadt von Ptuj. Teilweise finden die Lesungen auch im privaten Rahmen statt und werden von Ausstellungen oder Theateraufführungen begleitet. Dieses Jahr steht das Festival vom 22. bis 25. August ganz im Zeichen der spanischen Dichtung mit Gästen wie Carlos Aganzo, Mercedes Cebrián und ­Erika Martínez. Live-Bands und viel slowenischer Wein verleihen diesem Literaturgenuss die besondere Note.

Wein, Kunst und Poesie in Ptuj
Foto: Matej Pusnik

Ljubljana Festival: 28.6.–3.9.18, Tickets: www.oeticket.com
www.ljubjanafestival.si

Personale Ivana Koblica: Nationalgalerie Ljubljana, Puharjeva ulica 9, 1000 Ljubljana, 20.6.18–10.2.19, Di–Mi 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr, Fr–So 10–18 Uhr

Moustache Tour – Stadttour durch ­Ljubljana: Treffpunkt: Slovenian Tourist Information Centre (STIC), Krekov trg 10, Ljubljana, Jeden Freitag um 15 Uhr, bis 31.10.18, Preis inkl. Eintritte, Fahrradmiete und
Getränke und Kostproben: € 45/Person
www.visitljubljana.com

Tartini-Festival: Koper und Piran, 2.8.–8.9.18
www.tartinifestival.org

SEVIQC, Festival Alter Musik: Brežice, Globocˇice, Slovenska Bistrica,
Dolenjske Toplice, bis 25.8.18, Bustransfer von Ljubljana, €10/Person
www.seviqc-brezice.si

Poesie und Wein: Ptuj Altstadt, 22.–25.8.18
www.stihoteka.com

Ivana Koblica, Selbstbildnis, 1907